Nachwuchs 13.11.2020 — 12:00 Uhr

NLZ: Gut aufgestellt beim Kinderschutz

Kersting: "Wollen ein täterunfreundlicher Verein bleiben" / 05ER erweitern Maßnahmenpaket zur Prävention sexualisierter Gewalt

Überall dort, wo Erwachsene in der Arbeit mit Kindern Verantwortung übernehmen, entsteht die Gefahr von Missbrauch. Der Anspruch, dieser Verantwortung gerecht zu werden, besteht im Nachwuchsleistungszentrum von Mainz 05 seit jeher und ist als absoluter und allumfassender Standard definiert. Zu einer Schulung mit Oliver Kalb vom Landessportbund (LSB) kamen deshalb alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem NLZ der 05ER digital zusammen, um sich zum wichtigen Thema Kinderschutz auf den neuesten Stand zu bringen und fortzubilden.

Wenn eine Macht- oder Vertrauensposition ausgenutzt wird, um Opfer zur Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse zu zwingen, handelt es sich um sexualisierte Gewalt. Ein Küsschen bei der Siegerehrung, ein Kinobesuch des Trainers mit einer minderjährigen Sportlerin oder ein sexistischer Witz: Wann ist eine Grenze überschritten? Diese Frage stellte Kalb, der beim LSB Leiter der Abteilung Gesellschaftspolitik ist, die sich mit Integration, Inklusion und Gewaltprävention beschäftigt, zu Beginn in den Raum, der diesmal eine Videokonferenz war. In seinem Vortrag ging es um sexualisierte Gewalt im Nachwuchssport. Wo diese anfängt, wer die Täter sind, wie sie vorgehen, wie man den Opfern hilft und vor allem, wie man als Verein präventiv arbeiten kann, um für diese Situationen gut aufgestellt zu sein und sie im besten Falle gar nicht erst entstehen zu lassen.

Das NLZ der 05ER, betont der pädagogische Leiter Jonas Schuster, sei in diesem Bereich bereits gut aufgestellt, aber stets um Weiterentwicklung des Talentförderkonzeptes auch bei diesem wichtigen Thema bestrebt. "Wir wollen die Wichtigkeit des Themas mit verpflichtenden Schulungsmaßnahmen unterstreichen", so Schuster. "Es geht nun um die nächsten Schritte beim Kinderschutz", sagt NLZ-Leiter Volker Kersting. "Wir haben zum Beispiel unser Maßnahmenpaket erweitert und einen Interventionsplan erstellt", berichtet er. Bei all diesen Weiterentwicklungen stehen die 05ER im engem Austausch mit dem Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Fußball-Liga, dem LSB, dem Sportbund Rheinhessen und dem Deutschen Kinderschutzbund, um maximale Transparenz und Qualität der Konzeption sicherzustellen. Kalb ist "dankbar", dass sich der FSV in diesem Thema engagiert und weiterentwickeln möchte.

"Kultur des Hinsehens"

Über 200 Jugendliche und junge Erwachsene bildet der FSV im NLZ aus. Hinzu kommen die 05ER Fußballschule und Sichtungsmaßnahmen wie die jährlich stattfindenden MINI-KICKER-TAGE, bei welchen viele weitere Kinder und Jugendliche im Fußballspiel und in der Persönlichkeitsbildung gefördert werden. "Es geht darum, Strukturen so aufzubauen, dass diese Kinder und Jugendlichen bestmöglich geschützt sind", so Kalb, der von einer "Kultur des Hinsehens" spricht, um das Risiko von sexualisierter Gewalt in Sportvereinen zu minimieren. Denn dieses sei im Sport gegeben: Wegen des Körperkontaktes, der ausgenutzt werden kann, spezifischer Kleidung bei Wettkämpfen, Umkleide- und Duschsituationen, Wettkämpfen mit Übernachtung sowie Hierarchien, Macht und Leistungsorientierung. Dabei gingen die Täter, die zu achtzig Prozent männlich, meist beliebt und gut integriert sind, "sehr gut vorbereitet und bewusst vor", führte Kalb aus.

Die Strukturen müssen so sein, dass potenzielle Täter davon abgeschreckt werden.

Doch wie können sich Vereine professionell aufstellen und Präventivarbeit betreiben? Zunächst gehe es darum, den Status Quo in einer Risikoanalyse zu ermitteln und die bestehenden Strukturen zu hinterfragen: Wird das Thema Kinderschutz "Top down", also auch von den Führungskräften gelebt? Gibt es einen Ansprechpartner für Kinder und Eltern? Hat sich der Verein in der Öffentlichkeit bereits klar positioniert und transparent mit Eltern kommuniziert? "Geregelte Abläufe über einen Interventionsplan, Ruhe bewahren und externe Hilfe von Fachberatungsstellen sind wichtig", erläutert Kalb. "Die Strukturen müssen so sein, dass potenzielle Täter davon abgeschreckt werden."

"Täterunfreundlicher Verein bleiben und noch mehr werden"

NLZ-Pädagoge Schuster betonte, dass vieles, was Kalb in seinem Vortrag angesprochen hatte, bereits am Bruchweg etabliert worden sei. "Wir sind gut aufgestellt, auch dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem LSB und haben im Bereich des Kinderschutzes weitere Fortschritte gemacht." NLZ-Leiter Kersting bringt es auf den Punkt: "Wir wollen ein täterunfreundlicher Verein bleiben und noch mehr werden."

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