Profis 22.11.2021 — 17:30 Uhr

Keine neue Erkenntnis

"Intensität und Aggressivität haben komplett gefehlt", sagte Bo Svensson über weite Teile des Duells mit dem 1. FC Köln - Dass die 05ER Probleme bekommen, wenn sie ihre eigenen Grenzen nicht erreichen, ist eine altbekannte Beobachtung.

"Wir müssen kritisch mit uns selbst umgehen", sagte Bo Svensson nach dem Remis gegen dem 1. FC Köln. Und einer Leistung seines Teams, mit der der Cheftrainer zumindest 75 Minuten lang überhaupt nicht zufrieden gewesen war. Selbstkritisch und reflektiert gaben sich bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff auch die 05-Profis, allen voran der Torschütze zum 1:0. Er und seine Kollegen seien nicht an "unsere Grenzen" gegangen, gab Jonny Burkardt im Anschluss zu Protokoll.

Die Führung der Gastgeber in der Schlussphase des ersten Durchgangs stellte den Spielverlauf in der MEWA ARENA am frühen Sonntagabend ein Stück weit auf den Kopf. Nachdem die Mainzer zwar in den Anfangsminuten ordentlich im Spiel waren und Gelegenheiten hatten (Karim Onisiwo und Jean-Paul Boëtius scheiterten), waren die Gäste im Anschluss das tonangebende Team, wirkten griffiger und frischer und erspielten sich bis zum Burkardt-Treffer ein klares Chancenplus. Ondrej Duda, Anthony Modeste und Luca Kilian scheiterten jeweils aus aussichtsreichsten Positionen. "In der ersten Halbzeit war Köln klar besser, weil wir nicht auf den Platz gebracht haben, was uns normalerweise auszeichnet. Intensität und Aggressivität haben komplett gefehlt", analysierte Svensson nach der Partie. Dass es für den FSV in der Bundesliga eng wird, wenn ebendiese Anforderungen nicht erfüllt werden, hatte der Cheftrainer schon des Öfteren angemerkt. Eine Erkenntnis, die auch in den Köpfen der Spieler verankert ist, was sie freilich nicht vor Abenden wie dem am Sonntag bewahrt:

Punkt heute auch das Höchste der Gefühle

"Wenn bei uns mal in einem Spiel die Qualität fehlt und wir es nicht schaffen, 100 oder gar 105 Prozent abzurufen, dann wird es schwer. Deshalb war dieser Punkt heute auch das Höchste der Gefühle, zumal die Kölner gezeigt haben, dass sie eine gute Mannschaft haben. Bei uns hat es in vielen Situationen nicht gepasst, das war eine Mischung aus allem. Auch in den Zweikämpfen: Wenn wir mal reinkamen, dann waren wir gefühlt irgendwie zu weich. Dann wiederum haben wir es den Kölnern mit vielen Ballverlusten zu leicht gemacht. Es war schwierig", sagte Innenverteidiger Stefan Bell, der zuvor seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte und beim Auswärtsspiel in Stuttgart am Freitagabend (20.30 Uhr) gesperrt fehlen wird.

Mit Schwung in die Schlussphase

Obwohl vieles nicht gelingen wollte in diesem siebten Heimspiel der Saison (3 Siege, 3 Remis, 1 Niederlage), blieben die Mainzer nach dem schnellen Ausgleich in Minute 47 - Salih Öczan hatte völlig unbedrängt einköpfen können - standhaft, ließen im Anschluss kaum noch echte Torgelegenheiten zu und kamen im Verlauf der zweiten 45 Minuten immer besser ins Spiel. Spätestens mit dem Doppelwechsel im Zentrum - Anton Stach und Kevin Stöger ersetzten nach einer Stunde Jae-sung Lee und Boëtius - zeigten die Gastgeber deutlich mehr Präsenz, unterbanden den Kölner Spielaufbau früher und setzten selbst Nadelstiche. Mit der Folge, dass es in der Schlussviertelstunde die 05ER waren, die einem zweiten Treffer näher schienen als der Konkurrent aus Köln.

Es war spielerisch einfach viel zu unsauber

"Es war absolut nötig, einen Impuls zu setzen. Beide haben es gut gemacht, sie waren ein Schlüssel, weshalb wir in den letzten 15 Minuten mehr Druck entfachen konnten", erläuterte der Cheftrainer später. Die zweite Halbzeit sei "einen Tick besser" gewesen, "aber erst am Ende sind wir so aufgetreten, wie wir normalerweise spielen", so Svensson weiter, der hinzufügte, dass er dennoch "kaum Spieler, die ihre Normalform hatten", wahrgenommen habe. Damit lag er mit seinen Profis ganz auf einer Wellenlänge: "Die Intensität und die Wachheit haben gefehlt. Man hatte von Beginn an das Gefühl, dass die Kölner frischer sind. Und das zeichnet normalerweise uns aus: Dass wir dem Gegner einen Schritt voraus sind. Es war spielerisch einfach viel zu unsauber", gab auch der Torschütze zu.

Das dritte Remis der Saison darf insofern vielmehr als Punktgewinn- denn als verlust gewertet werden und trägt dazu bei, dass die Mainzer sich mit nun 18 Zählern aus zwölf Begegnungen in der oberen Tabellenhälfte festsetzen. Die kommenden Tage wird das Trainerteam mit der Mannschaft nun nutzen, um Ursachenforschung zu betreiben und alle Hebel in Bewegung zu setzen, es schon am Freitagabend besser zu machen als gegen die Kölner. Svensson jedenfalls kündigte an, den Sonntag aufarbeiten und in Stuttgart anders auftreten zu wollen: "Wir wissen, dass eine sehr schwierige Aufgabe auf uns wartet. Wir haben nicht so viele Tage, um zu trainieren. Ich werde einige Worte in Richtung der Mannschaft sagen, aber die Jungs wissen selber, dass es heute nicht gut war", so der Däne.

Aufgrund der kurzen Woche finden alle Einheiten in den kommenden Tagen nicht-öffentlich statt.

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