Profis 13.10.2021 — 19:00 Uhr

Zidan: "Ich habe mich richtig wohlgefühlt"

Bei Mainz 05 avancierte Mohamed Zidan unter Trainer Jürgen Klopp schnell zum Publikumsliebling, bei Borussia Dortmund gewann er die Deutsche Meisterschaft. Im Interview erzählt der Ägypter von seinen Erinnerungen an den FSV und sein erstes Treffen mit Klopp und Christian Heidel

TV-Experte, Geschäftsmann und Vorstandsmitglied beim ägyptischen Verein Zed FC: Mohamed Zidan ist vielbeschäftigt und hat sich dennoch Zeit genommen für ein Interview. Von 2005 bis 2007 und in der Rückrunde der Saison 2011/12 lief Zidan als Stürmer für Mainz 05 auf und erzielte in 53 Bundesliga-Partien 29 Tore. Mit seinen Treffern, vor allem aber mit seiner offenen Art, avancierte er bei den Fans schnell zum Publikumsliebling. Eine besondere Beziehung baute er zum damaligen Mainzer Trainer Jürgen Klopp auf, mit dem er später bei Borussia Dortmund, dem nächsten Gegner der 05ER am Samstag, sogar Deutscher Meister wurde.

Im Interview erzählt der 39-Jährige von seinem ersten Gespräch mit Klopp und Christian Heidel, warum er sich in Mainz so wohlgefühlt hat und warum es ihm Spaß macht, der Mannschaft von Mainz 05 und Bo Svensson zuzusehen.

Hallo Mo, wie geht es dir und wo erreichen wir dich gerade?

Zidan: "Mir geht es sehr gut. Ich bin hier in Ägypten viel beschäftigt mit meiner Arbeit als TV-Experte und im Vorstand des Zed FC."

2016 hast du deine Karriere in deinem Heimatland beendet und bist nun Funktionär. Wie kamst du an diesen Job?

Zidan: "Der Besitzer und Gründer des Zed FC ist ein Geschäftsmann aus Ägypten. Sie haben einen Plan für einen Verein mit einer professionellen Nachwuchsabteilung vorgestellt. Es sind auch Freunde und Kollegen von mir, die ich aus der Nationalmannschaft kenne, dabei. Gemeinsam wollen wir helfen, den Verein zu entwickeln und die richtigen Schritte zu gehen. Das passt zu meinen Vorstellungen und meiner Persönlichkeit."

Hättest du dir auch vorstellen können, Trainer zu werden?

Zidan: "Ich hatte mal über diesen Schritt nachgedacht. Damals wollte ich meine Lizenz in Deutschland machen und Praktika in Mainz, beim BVB oder auch bei Kloppo absolvieren. Aber so wie es jetzt läuft, bin ich sehr zufrieden."

Dann habe ich ihm meine Hand gegeben und gesagt: 'Ich möchte gerne für dich Fußball spielen'

Jürgen Klopp ist der Trainer, der dich damals zusammen mit Christian Heidel nach Mainz geholt hat

Zidan: "Ich werde nie mein erstes Gespräch mit Christian Heidel und Kloppo vergessen. Ich kam am letzten Transfertag aus Bremen und saß mit ihnen und meinem Berater nur für knapp 15 Minuten zusammen. Dann habe ich ihm meine Hand gegeben und gesagt: 'Ich möchte gerne für dich Fußball spielen'."

Er hat dich also schnell überzeugt

Zidan: "Als Trainer hat man mit Spielern unterschiedlicher Kulturen, Altersstufen und Mentalitäten zu tun. Das wichtigste ist, dass man die Spieler hinter sich versammelt, damit sie als Mannschaft zusammenspielen und sie Bock haben, für dich als Trainer, für sich selbst und den Verein alles zu geben. Genau das hat Kloppo geschafft. Es hat nur 15 Minuten gedauert, bis er mich überzeugt hatte."

"Man hatte Bock, für ihn und den Verein zu arbeiten", sagt Mohamed Zidan über seinen Trainer in Mainz und Dortmund, Jürgen Klopp.

Wir haben letzte Woche ein "Sach‘ emol" mit Kloppo auf 05ER.tv veröffentlicht. In diesem Video hat er auch von dir und der Zeit in Mainz gesprochen, unter anderem von deinem "Shampoo-Streich". Wie sind deine Erinnerungen an ihn und an Mainz 05?

Zidan: "Meine beste Zeit in Deutschland hatte ich in Mainz und in Dortmund. In beiden Vereinen habe ich unter Jürgen gespielt. Er ist ein wichtiger Mensch für mich. Er hat es immer hinbekommen, dass seine Spieler an einem Strang ziehen und das Team funktioniert. Für mich ist er der beste Trainer der Welt zurzeit. Er hat so viele Spieler weiterentwickelt, aber auch sich selbst, auf sportlicher und persönlicher Ebene. Das ist großartig zu sehen."

Für mich ist er der beste Trainer der Welt zurzeit

Welche Gedanken kommen generell in dir hoch, wenn du an deine Zeit am Bruchweg zurückdenkst?

Zidan: "Ich habe mich einfach richtig wohlgefühlt in Mainz, auch in der Mannschaft. Alles war familiär und freundschaftlich. Das hat mich sehr beeindruck, es war eine großartige Zeit. Wir hatten viel Spaß miteinander, ich habe Witze mit den Jungs gemacht und sie mit mir. Das gehört dazu."

Szene aus der Saison 2009/10: Zidan als BVB-Spieler im Zweikampf mit dem heutigen Mainzer Trainer Bo Svensson.

Du hast vorhin über die Wichtigkeit von Trainern gesprochen. Mit unserem aktuellen Coach Bo Svensson hast du bei Mainz 05 noch zusammengespielt. Wie hast du ihn als Mitspieler erlebt?

Zidan: "Mit Bo habe ich mich sehr gut verstanden, weil er aus Dänemark kommt und ich dort sechs Jahre gespielt hatte und die Sprache perfekt beherrsche. Ich mag ihn als Mensch, er ist ganz locker und ruhig, sehr sympathisch. Man sieht auch jetzt, in seiner Art und Weise wie er als Trainer arbeitet, dass er viel mit den Spielern zu tun hat. Sie merken, dass er den ganzen Weg gegangen ist, den sie gehen wollen. Das hat Kloppo auch gemacht, er nimmt die Perspektive der Spieler ein. Man sieht an der letzten Rückrunde und am Start in diese Saison den Erfolg von Bos Arbeit. Es macht Spaß, wie die Mannschaft miteinander spielt und auf dem Platz umgeht und wie er an der Seitenlinie agiert."

Am Samstag steht nun das Spiel deiner beiden Herzensvereine an. Was erwartest du von dieser Partie?

Zidan: "Beide Klubs haben eine sehr große Bedeutung für mich, deshalb freue ich mich auf das Spiel. Der BVB spielt immer um die Meisterschaft, für die Mainzer ist das erste Ziel der Klassenerhalt. Aber in diesem Jahr haben sie einen guten Start hingelegt und sollten versuchen, darauf aufzubauen, um Schritt für Schritt, Punkt für Punkt, einen guten Weg zu gehen. Ich drücke beiden die Daumen und hoffe auf ein gutes Spiel."

Mo hat am Ende des Gesprächs noch eine Liebeserklärung an den FSV, die 05-Fans und die Stadt Mainz abgeschickt:

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