Profis 15.06.2021 — 17:20 Uhr

Kuhnert: "Da war ich auf einmal Torwarttrainer"

Die 05-Legende zu Gast im Podcast "UffgeBAST & RangeKLOTZt - der 05ER.fm Audiobeweis"

Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft am heutigen Dienstagabend mit dem Spiel gegen Frankreich in die Europameisterschaft 2021 eingreift, wird auch Stephan Kuhnert vor dem Fernseher sitzen und das Spiel verfolgen. "Bisher hat mich die EM noch nicht so gepackt, aber vielleicht ändert sich das, wenn die deutsche Mannschaft spielt", verrät der Torwarttrainer des 1. FSV Mainz 05 den beiden 05ER.fm-Kommentatoren Tim Klotz und Mario Bast in der aktuellen Folge des Podcasts "UffgeBAST & RangeKLOTZT - der 05ER.fm Audiobeweis". Die 05-Legende erzählt er außerdem, warum Jürgen Klopp Sandro Schwarz im Training einmal eine Kopfnuss verpasst hat, warum er in der E-Jugend ins Tor gestellt wurde und bei welchem Mainzer Erfolg er bereit wäre, sich von seinen Haaren zu trennen.

Die ganze Folge: überall dort, wo es Podcasts gibt.

Trotz der starken Gruppe (neben Weltmeister Frankreich geht es für das deutsche Team auch gegen Titelverteidiger Portugal und das ungarische Team um Ádám Szalai) glaubt Kuhnert an eine Chance: "Die Mannschaft soll ihr eigenes Spiel durchziehen, sich nicht nach dem Gegner richtet, sondern das Heft in die eigene Hand nehmen. Ich denke dieses Selbstbewusstsein sollten wir haben. Frankreich ist natürlich ein extrem starker Gegner, aber wenn du gegen so ein Team zum Start gewinnst, dann kann das eine Entwicklung auslösen wie 2014 in Brasilien. Dann kann das deutsche Team auch den Titel holen, ganz klar."

Bereits vergangene Woche ging die U21-Europameisterschaft zu Ende. Mit Finn Dahmen stand einer der Schützlinge von Kuhnert im deutschen Tor und darf sich nun U21-Europameister nennen. Natürlich hat der Torwarttrainer die Spiele verfolgt und stand auch mit Dahmen während des Turniers in Kontakt. "Wir haben uns regelmäßig über Whatsapp ausgetauscht." Doch ist es dem 61-Jährigen auch wichtig zu betonen, dass er sich aus der täglichen Arbeit bei der DFB-Auswahl heraushält: "Wenn Finn bei der Nationalmannschaft ist, soll er alles mit seinem Trainer dort besprechen, da mische ich mich nicht ein. Er ist dort top betreut und in guten Händen." Der Turniersieg macht ihn aber natürlich stolz: "Ich freue mich riesig über diesen Erfolg und für die Jungs. Es war auch eine Freude, die Spiele zu gucken. Das war Fußball, wie ich ihn mir vorstelle. Die Jungs haben Feuer und Leidenschaft auf den Platz gebracht. Da ist jeder für den anderen gelaufen, hat jeder für den anderen gekämpft."

Ich freue mich riesig über diesen Erfolg und für die Jungs

1986 wechselte Kuhnert zum FSV, seit 1999 ist er Torwarttrainer der Profis.

Die beiden sind so gut, nur ein beschissener Trainer hätte verhindern können, dass aus denen was wird

Finn Dahmen ist das jüngste Beispiel in einer Reihe von hochklassigen Torhütern, die Stephan Kuhnert in seiner Zeit als Torwarttrainern beim FSV ausgebildet hat. Was ist das Erfolgsrezept? "Erst einmal ist es wichtig, dass du die richtigen Jungs auswählst", so Kuhnert, "Talent haben viele, aber es ist auch immer eine Fleißarbeit. Die Jungs müssen selbst entscheiden, ob sie bereit sind Gas zu geben und jeden Tag dafür zu arbeiten, einmal im Bundesliga-Tor zu stehen. Die müssen sich fragen: 'Wie sehr will ich das?'" Seinen Anteil an der Entwicklung von Robin Zentner und Finn Dahmen relativiert die Vereinslegende allerdings auf seine ganz eigene Art: "Die beiden sind so gut, nur ein beschissener Trainer hätte verhindern können, dass aus denen was wird."

Es war bekanntermaßen Wolfgang Frank, der Kuhnert damals vom aktiven Torhüter zum Torwarttrainer machte. "Wir hatten damals noch keinen Torwarttrainer und ganz rausschmeißen wollte er mich wohl nicht", so "Kuhni" lachend. "Da war ich auf einmal Torwarttrainer. Ich habe mich mit Büchern und Videokassetten eingedeckt über Training, Belastung und alles Mögliche und so fing es dann an." Seitdem ist er weder vom Trainingsplatz noch von der Bank der Mainzer wegzudenken. Dass Kuhnert die Spiele des FSV emotional miterlebt, war in der vergangenen Saison, als über weite Teile ohne Fans gespielt werden musste, besonders gut zu hören. "Natürlich bin ich laut auf der Bank. Aber da müssen alle leiden, nicht nur der Schiedsrichter. Aber das ist doch klar. Das ist meine Mannschaft, die da spielt, ich will, dass sie erfolgreich ist. Und wenn ich das Gefühl habe, dass wir benachteiligt werden, oder dass ein gegnerischer Spieler aus einem Foul mehr macht als es ist, dann macht mich sowas verrückt!" So überrascht es wenig, dass sich Kuhnert in der vergangenen Saison auch eine Gelbe Karte abgeholt hat. "Die hat mir Deniz Aytekin gezeigt. Ich habe ihn dann noch gefragt, wie das nun funktioniert, ob ich aufstehen muss, aber er meinte ich dürfte sitzen bleiben."

Die ganze Podcast-Folge gibt es auf allen bekannten Plattformen

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