Profis 13.01.2021 — 15:40 Uhr

"Daran arbeiten, Haltung zu bewahren"

Selbstkritisch zeigte sich Jonathan Burkardt nach der Niederlage gegen Frankfurt - Das Eigengewächs will seine Quote verbessern & glaubt nach wie vor an den Klassenerhalt

Jonathan Burkardt im Laufduell mit Frankfurts Martin Hinteregger.

Auch einige Tage nach der Heimniederlage im Rhein-Main-Duell ist der Frust bei Jonny Burkardt noch nicht gänzlich verdaut. Insbesondere, weil der 20-Jährige selbst mehrfach den Ausgleich auf Kopf beziehungsweise Fuß gehabt hatte, dabei aber teils „kläglich“, wie er anschließend selbstkritisch zu Protokoll gab, gescheitert war. So stehen nach mittlerweile 25 Bundesliga-Spielen nach wie vor zwei Tore sowie ein Assist im Arbeitszeugnis des Eigengewächses. Da ist Luft nach oben in Sachen Quote und Abschlussqualität, findet er selbst. Dennoch gehört der gebürtige Darmstädter seit Wochen zu den auffälligsten Mainzern und glaubt nach wie vor fest an die Chance auf den Klassenerhalt. Am Wochenende kehrt er mit dem FSV an den Ort zurück, wo er einst seine Tor-Premiere im Oberhaus feiern durfte.

Auf dem 05-Instagram-Account lief dieser Tage eine der eingangs erwähnten Situationen aus der Hintertor-Perspektive. Zu sehen: Burkardts Kopfball ans Aluminium. Zu hören: Seine verbale Reaktion, die wohl all die Wut, gepaart mit einer gehörigen Portion Frust, angesichts der vergebenen Chance sowie der prekären sportlichen Lage der 05ER auf den Punkt brachte. Vergleichbare Frusterlebnisse will der U21-Nationalspieler künftig so gut es geht vermeiden und seine Effizienz im Torabschluss steigern. Um die persönliche Quote zu verbessern – "weil das schon ein Schwachpunkt von mir ist" - allen voran aber, um im Kampf um den Klassenerhalt dranzubleiben und gemeinsam mit den Teamkollegen weiter an die Aussicht zu glauben, die Aufholjagd erfolgreich gestalten zu können. "Es sind noch genug Spiele, in denen wir punkten können", ist er überzeugt. Aufgeben verboten! Dafür bedarf es, so weiß der Offensivmann, der 2014 vom SV Darmstadt 98 an den Bruchweg wechselte, "Kampf und Leidenschaft in jedem Spiel. Man muss von außen sehen, dass die Mannschaft immer will, bis zum Schluss, unabhängig vom Ergebnis. Ich glaube, das war am Wochenende auch nach dem 0:2 zumindest erkennbar. Wir wollten unbedingt ein Tor schießen." Letztlich hatte es nach einem enttäuschenden ersten Durchgang und trotz klarer Leistungssteigerung nach der Pause aber auch gegen Frankfurt nicht mit dem ersten Heimsieg der Saison klappen wollen. So steigt der Druck vor der Reise nach Dortmund, wo der FSV am Samstagnachmittag gefordert sein wird, weiter.

Chance verpufft: Burkardt kann es selbst kaum glauben.

Oberstes Ziel von Burkardt und seinen Teamkollegen sei es dort, wo ihm im vergangenen Juni sein erster Bundesliga-Treffer gelang, "eine gute Leistung abzurufen". Allen sei bewusst, dass Punkte hermüssen angesichts von bislang nur sechs Zählern aus 15 Partien. "Gegen Konkurrenten auf Augenhöhe haben wir es vor Weihnachten nicht geschafft und müssen dann eben jetzt mal für eine Überraschung sorgen", fordert Burkardt. Ob nun beim BVB oder im Anschluss in der Englischen Woche mit den beiden Heimspielen gegen den VfL Wolfsburg zum Hinrunden-Abschluss oder Leipzig. Mit dem 2:0-Erfolg aus der letzten Saison, einem richtungsweisenden Erfolg auf dem Weg zum Klassenerhalt, will sich Burkardt indes nicht beschäftigen – aus gutem Grund: "Es ist immer so eine Sache, finde ich: Letzte Woche haben wir von den siegreichen Spielen gegen Frankfurt gesprochen und orientieren uns immer wieder an Erfolgserlebnissen aus der Vergangenheit. Wir sollten nur nach vorne schauen und gucken, wie wir am Wochenende gewinnen können. Beide Mannschaften stehen jetzt an einem völlig anderen Punkt. Deswegen schauen wir nur auf das Spiel und auf neue Möglichkeiten."

Da kann man nur hinschauen & lernen

Eine Voraussetzung in diesem Spiel wird aus Sicht des 05-Profis sein, Torjäger Erling Haaland möglichst selten zum Zug kommen zu lassen. "Er hat eine wahnsinnige Explosivität, einen sehr guten Abschluss und eine starke Quote. Da kann man nur hinschauen und dazu lernen. Es wird ein entscheidender Faktor sein, ihn unter Kontrolle zu haben." Dazu gehöre auch, so oft wie möglich zu verhindern, dass die Mittelfeldspieler der Dortmunder "mit Raum auf unsere Kette zulaufen" können. Eben jene Situationen, in denen die Stärken des Norwegers in der Regel am meisten zum Tragen kommen. Viel Laufarbeit dürfte dies auch für Burkardt und seine Kollegen aus der Offensivfraktion bedeuten: Aufgaben wie Räume verdichten, Passwege zustellen, die Defensive entlasten und gleichzeitig Nadelstiche vor dem gegnerischen Gehäuse setzen dürften zu den Inhalten des Arbeitsauftrags an die 05ER gehören.

Im Juni 2020 brachte Burkardt die 05ER mit seinem Führungstor auf die Siegerstraße.

Vertrauen vom Trainer

Am finalen Matchplan feilen können die Mainzer um den neuen Cheftrainer Bo Svensson dabei noch bis zum Spieltag. Der neue Mann an der Seitenlinie ist Burkardt im Übrigen noch bestens aus Zeiten im Nachwuchsleitungszentrum bekannt. Und auch nach den ersten gemeinsamen Tagen mit den Profis weiß der 20-Jährige nun ausschließlich Gutes zu berichten: "Er tut uns gut und fordert sehr viel Intensität ein, das merkt man im Training. Er sieht, dass es viele Dinge zu verbessern gibt. Wenn man auf die Tabelle schaut, kann auch nicht alles gut gewesen sein bis jetzt. Aber der Trainer weiß, wo wir ansetzen müssen." In welche Richtung es gehen soll? "Inhaltlich gesehen ist es das kompakte Verteidigen und das schnelle direkte Spiel zum Tor, was uns auszeichnen sollte. Aber das ist etwas, was wir jetzt entwickeln müssen, das ist nichts, was von heute auf morgen passiert", erläutert Burkardt und ergänzt mit Blick auf den Chefcoach: "Es ist ein total respektvoller und angenehmer Umgang und er ist auch immer für einen lustigen Spruch gut." Und auch Svensson weiß, was er an den hausgemachten Talenten im Kader hat, weiß, wie er sie anpacken muss und hatte für seinen Stürmer bereits im unmittelbaren Anschluss an das Derby aufbauende Worte parat gehabt: "Jonny ist ein ehrgeiziger Junge, er hat auch diesmal seine Qualitäten gezeigt. Sicher muss er ein Tor machen. Aber er ist ein junger Spieler, er macht Fehler. Es ist auch ein Lernprozess für ihn, damit umzugehen und trotzdem zu versuchen, den nächsten reinzumachen. Das wird er schon wegstecken", zweifelt der Ex-Profi keinesfalls an den bekannten Stärken seiner Nummer 29.

Der Trainer ist hier nicht auf Spieler mit viel Selbstvertrauen getroffen

Und so kompliziert sich die Situation mit Blick auf die Tabellenkonstellation derzeit auch darstellen mag; die 05ER wollen den Kopf oben behalten und sich gegen die sie erwartenden Widerstände im Tabellenkeller stemmen, wie Burkardt unterstreicht. "Der Trainer ist hier nicht auf Spieler mit viel Selbstvertrauen getroffen. Wir haben viele Spiele verloren, da geht der Kopf schnell mal runter. Aber wir müssen daran arbeiten, Haltung zu bewahren, den Blick nach vorne richten und es im nächsten Spiel wieder versuchen, dürfen nie aufgeben." Haltung, Kampf und Leidenschaft: Drei unverzichtbare Zutaten im Rahmen eines beschwerlichen, aber eben längst nicht aussichtslosen Unterfangens.

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