Profis 14.04.2019 — 15:00 Uhr

"Das darfst du dir gegen Dortmund nicht erlauben"

05-Trainer kritisierte passive Verteidigungshaltung in der ersten Hälfte – Überragender Angriffswirbel im zweiten Durchgang nicht mit Punktgewinn belohnt

Jadon Sancho brachte seine Farben früh in Führung, der starke Florian Müller war machtlos.

Die Fans des Titel-Anwärters feierten überschwänglich ihren Torhüter, der ihnen einen Sieg rettete, der eigentlich nicht zu retten war. Und der 1. FSV Mainz 05 musste schließlich zähneknirschend die 1:2-Niederlage bei Borussia Dortmund akzeptieren, weil das Team von Sandro Schwarz im ersten Durchgang nicht konsequent genug verteidigte und im Angriffswirbel der zweiten Halbzeit nur noch der Anschlusstreffer durch Robin Quaison gelang. Und weil Roman Bürki am Ende dreimal einen Ball von Anthony Ujah von der Linie kratzte. "Im Endeffekt haben wir uns nicht belohnt. Das ist einfach bitter. Den Punkt hätten wir absolut verdient gehabt", sagte Rouven Schröder nachher.

Verkehrte Welt im riesigen Signal Iduna Park. Die gut 76.000 BVB-Fans zitterten fassungslos mit ihrer Mannschaft, die drauf und dran war, im eigenen Stadion einen 2:0-Vorsprung aus der Hand zu geben und sich einen herben Rückschlag im Fernduell mit den Bayern um die Meisterschaft einzuhandeln. Die knapp 5000 mitgereisten Mainzer Anhänger trieben dagegen die 05er lautstark zu einem Offensivlauf, der den Titelaspiranten kaum noch aus dem eigenen Strafraum kommen ließ und heftig ins Schlingern brachte. Das Signal zum Aufbäumen hatte Karim Onisiwo schon gegen Ende der ersten Hälfte gegeben, als der Stürmer den Querpass von Jean-Philippe Mateta mit der Hacke an den Pfosten beförderte. Auch nach dem Wechsel war es der Österreicher, der sich auf Vorlage von Robin Quaison im BVB-Strafraum durchsetzte und erneut nur den Pfosten traf. Quaison verkürzte dann auf 1:2, ehe schließlich der eingewechselte Ujah das Privat-Duell mit Bürki auf der Torlinie verlor. Eine Szene, die alle 05er staunend und ungläubig zurückließ.  

Alle wieder zusammengesackt

"Es wäre geil gewesen, mit dieser Energie, die wir in der zweiten Hälfte aufgebracht haben, diesen letzten Torjubel zu kriegen. Wir hatten das vor Augen, waren irgendwie darauf vorbereitet, dass wir es jetzt haben und richtig abgehen können. Wir sind aufgesprungen und alle wieder zusammengesackt", beschrieb der 05-Trainer später die allgemeine Gefühlslage.

Es hat nicht gereicht, und die Gründe dafür lagen letztlich in der ersten Hälfte. "Wenn du gegen Dortmund in diesen 50:50-Zweikämpfen den Kürzeren ziehst, hast du hier ein Problem. Wir waren zu ungenau mit dem Ball in der gegnerischen Hälfte, haben zu viele Fehlpässe produziert", merkte der Sportvorstand an. "Viel zu passiv, zu wenig Tempo, nicht aktiv verteidigt, nicht wachsam bei den Toren", kritisierte Schwarz. Der 05-Coach wehrte sich allerdings nachher gegen Einlassungen, der 0:2-Rückstand und die Unterlegenheit hätten daran gelegen, dass die 05er mit einer Fünferkette statt mit der üblichen Raute angetreten waren.

Schwarz: "Kein Strukturproblem"

"Das war kein Strukturproblem. Das hat nichts mit Grundordnung zu tun. Wir haben nicht konsequent verteidigt. Beim ersten Tor ist es egal, ob Viererkette oder Fünferkette. Da kommt wie schon in Bremen ein langer Ball. Das musst du erkennen und das Tempo aufnehmen. Beim zweiten Tor haben wir die Kugel, spielen ihnen wieder in die Füße, dann musst du im Strafraum am Mann sein. Das waren wir nicht und das darfst du dir gegen Dortmund nicht erlauben", erklärte der 40-Jährige. Der BVB führte jedenfalls schnell mit 2:0 durch die Tore von Jadon Sancho und hatte weitere gefährliche Aktionen. "Das hat auch nichts mit Einstellung zu tun", klärte Schwarz auf. "Wir sind 126 Kilometer gelaufen, 60 in der ersten Halbzeit, hatten 121 Sprints. In Dortmund musst du einfach besser verteidigen. Auch die Struktur im Spiel nach vorne war ordentlich, aber dann kam der Fehlpass. Das war das Problem vor der Pause."

"Ich glaube, dass es die Spieler selber gemerkt haben, dass sie sich mehr zutrauen und aggressiver zu Werke gehen müssen. Dann haben wir gesehen, dass wir ganz anders da waren, präsent waren, Dortmund beeindruckt haben. Die zweite Halbzeit war von uns viel aktiver, cleverer, handlungsschneller. Wir haben Dortmund einfach richtig bespielt", analysierte Schröder. "Wir hatten trotz des 0:2 immer das Gefühl, hier ist noch was drin. Wir haben dann so viele gute und richtige Entscheidungen getroffen, gegen einen solchen Gegner, bei einem Titel-Kandidaten. Wir haben herausragend Fußball gespielt, Zweikämpfe gewonnen und die zweiten Bälle gefressen, Dominanz ausgestrahlt, den BVB ins Schwimmen gebracht. Wir müssen das Ding nur über die Linie drücken", so der 05-Trainer.

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